Japanische Grammatik, ein Baustein nach dem anderen

Japanische Grammatik hat einen schlechten Ruf und einen einfachen Kern: Das Verb steht am Ende, und kleine Partikeln sagen, welche Rolle jedes Wort im Satz spielt. Wer diese zwei Dinge verstanden hat, kann die meisten Anfängersätze auseinandernehmen.

Japanische Grammatik lernt man am besten Baustein für Baustein: zuerst den Satzbau mit dem Verb am Ende, dann die Partikeln は, を, に und で, die jedem Wort seine Rolle geben, danach die höfliche ます-Form mit Verneinung und Vergangenheit. Jede Regel passt auf einen Bildschirm, gefolgt von Beispielsätzen und eigenen Lückensätzen.

Shishi · 獅子
Shishi — der Okinawa-Shisa, der dich durch KOTOBA führt.
„Erst das Objekt, dann das Verb: 水を飲みます — Wasser trinke ich."

Der Satzbau

Das Verb kommt zum Schluss

Ein japanischer Satz endet mit dem Verb, immer. 水を飲みます heißt „Wasser trinken“ — erst das Objekt, dann das Verb. Die deutsche Reihenfolge ist genau andersherum, und daran gewöhnt man sich am schnellsten, indem man Sätze laut liest.

Dafür fällt vieles weg, was im Deutschen Arbeit macht. Es gibt keine Artikel und keine Konjugation nach Person: です heißt „ich bin“, „du bist“ und „er ist“. 学生です ist je nach Zusammenhang „ich bin Student“ oder „er ist Student“. Eine eigene Zukunftsform gibt es auch nicht — 出ます heißt „ich gehe raus“ und „ich werde rausgehen“, was gemeint ist, sagt die Zeitangabe.

Fragen entstehen ohne Umstellen: Ein か am Satzende macht aus 日本人です („er ist Japaner“) die Frage 日本人ですか. Ein Fragezeichen braucht es dafür nicht.

Die Partikeln

Kleine Wörter, die die Rollen verteilen

Wo das Deutsche Fälle und Präpositionen hat, hängt das Japanische eine Partikel hinter das Wort. Vier davon tragen fast jeden Anfängersatz. Die Beispiele stehen wortgleich im Curriculum.

Das Thema

は sagt: „Was das Folgende betrifft“. Deshalb steht es auch dort, wo im Deutschen kein Subjekt wäre: 今日は寒いです — „heute ist es kalt“. Als Partikel wird es wa gesprochen, nicht ha.

Das Objekt

を markiert, womit etwas getan wird: 水を飲みます. Gesprochen wird es schlicht o, und im modernen Japanisch kommt es nur als diese Partikel vor.

Zeitpunkt und Ort, an dem etwas ist

はちじに — „um acht Uhr“. Faustregel: Wo eine Zahl im Spiel ist, steht に. Und 山にいます heißt „ich bin auf dem Berg“ — に sagt, wo etwas ist.

Ort, an dem etwas passiert

山でまちます heißt „ich warte auf dem Berg“ — で sagt, wo etwas getan wird. Dasselbe で heißt auch „mit, per“: 車でいきます, „mit dem Auto fahren“.

Die Verben

Mit der höflichen Form anfangen

Im Wörterbuch stehen Verben in der Grundform: のむ, „trinken“. Gesprochen wird im Alltag aber die höfliche Form auf ます, und mit der fängt man an, weil sie gegenüber Fremden immer passt.

Das Schöne daran: Alles hängt an der Endung. のみます → のみません („ich trinke nicht“) → のみました („ich habe getrunken“) → のみませんでした („ich habe nicht getrunken“). Unregelmäßige Partizipien wie im Deutschen gibt es nicht — wer die ます-Form kann, kann damit auch die Vergangenheit.

Eine Verwechslung lohnt sich früh: ません verneint ein Verb, じゃありません ein Substantiv — がくせいじゃありません, „ich bin kein Student“. Im Deutschen steht beide Male nur „nicht“.

Und für „es gibt“ hat Japanisch zwei Verben: います für Menschen und Tiere (山に人がいます), あります für alles andere (中に水があります). Die Faustregel ist Bewegung aus eigenem Antrieb.

Die typischen Fehler

Fünf Stellen, an denen fast alle stolpern

Kein に bei „heute“. 今日, あした und まいにち sind schon Zeitpunkte: 今日出ます, nicht 今日に出ます.

も ersetzt は. „Ich auch“ ist 私も, nie 私はも — die beiden stehen nie nebeneinander.

Das い verbindet selbst. 大きい山 ist „ein großer Berg“, ohne Wort dazwischen; 大きいの山 und 大きいですです gibt es nicht. Verneint wird am い: 大きくないです.

Drei Entfernungen, nicht zwei. これ ist hier bei mir, それ dort bei dir, あれ dort drüben, weg von uns beiden. Vor einem Substantiv heißt es この本, nicht これ本.

Die Schreibung verrät die Aussprache nicht. Als Partikeln klingen は, を und へ wie wa, o und e. Wer die Zeichen noch nicht sicher liest, fängt bei Hiragana und Katakana an.

Das Üben

Eine Regel, ein Bildschirm, dann selbst bauen

Grammatik bleibt nicht beim Lesen hängen, sondern beim Anwenden. Deshalb hat jede Regel drei Schritte: eine Erklärung, die auf einen Bildschirm passt, drei Beispielsätze mit Furigana und Aufnahme, und dann Lückensätze, in die man die Form selbst einsetzt — etwa 田中さんは日本人___。, „Herr Tanaka ist Japaner“.

Danach wird die Regel wie eine Vokabel wiederholt, in immer größeren Abständen. Wie dieser Abstand berechnet wird, steht unter Vokabeln lernen; welche Grammatik auf welcher Prüfungsstufe vorkommt, unter JLPT-Vorbereitung.

Häufige Fragen

Japanische Grammatik im Detail

Ist japanische Grammatik schwer?

Ungewohnt, aber regelmäßiger als die deutsche. Es gibt keine Artikel, keine Fälle und keine Konjugation nach Person, und die Vergangenheit hängt nur an der Endung. Schwer ist vor allem die Umgewöhnung: das Verb am Satzende und die Partikeln, die die Rolle eines Wortes anzeigen.

Was ist der Unterschied zwischen は und が?

は markiert das Thema, über das der Satz etwas sagt, und greift meist Bekanntes auf. が führt etwas Neues ein — deshalb steht es bei „es gibt“: 山に人がいます, „auf dem Berg ist jemand“. In vielen einfachen Feststellungen sind beide möglich.

Was ist der Unterschied zwischen に und で?

Die Handlung. に sagt, wo etwas ist oder wohin es geht: 山にいます, „ich bin auf dem Berg“. で sagt, wo etwas getan wird: 山でまちます, „ich warte auf dem Berg“. Außerdem markiert に den Zeitpunkt, und で heißt auch „mit, per“.

Soll ich zuerst die höfliche Form oder die Grundform lernen?

Die höfliche ます-Form. Sie passt gegenüber Fremden immer, und Verneinung und Vergangenheit hängen bei ihr nur an der Endung: のみます, のみません, のみました. Die Grundform aus dem Wörterbuch kommt dazu, sobald man mit Freunden spricht oder Manga liest.

Welche Grammatik brauche ich für JLPT N5?

Eine offizielle Grammatikliste gibt es seit 2010 nicht mehr. Im Kern sind es です, die Partikeln は, を, に, で, へ, も und の, die ます-Form mit Verneinung und Vergangenheit, い- und な-Adjektive, あります und います sowie Fragen mit か.

Fang mit です an.

Eine Erklärung, drei Beispielsätze mit Aufnahme, dann zwei Lückensätze. Die Grammatik von N5 bis N1 steht im Lernpfad, und der ist kostenlos.

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