JLPT — was jede Stufe wirklich verlangt

Der Japanese-Language Proficiency Test ist die einzige international anerkannte Messlatte für Japanisch. Fünf Stufen, zweimal im Jahr, reines Multiple Choice — und keine mündliche Prüfung.

Der JLPT hat fünf Stufen von N5 (Einstieg) bis N1 (höchste). N5 verlangt rund 100 Kanji und 800 Wörter, N1 über 2.000 Kanji und 10.000 Wörter. Geprüft werden Wortschatz, Grammatik, Lesen und Hören — ausschließlich per Multiple Choice, ohne Sprech- oder Schreibteil.

Shishi · 獅子
Shishi — der Okinawa-Shisa, der dich durch KOTOBA führt.
„N5 sind hundert Zeichen. Das klingt nach viel — bis du die ersten zehn hast."

Die Stufen

Von N5 bis N1 im Überblick

Die Zahlen sind Richtwerte des Prüfungsveranstalters und der gängigen Vorbereitungsliteratur — der JLPT veröffentlicht seit 2010 keine offizielle Wortliste mehr.

Stufe Kanji Wortschatz Das kannst du danach
N5 ~100 ~800 Einfache Sätze in Hiragana, Katakana und Grundkanji lesen; langsame Alltagsgespräche verstehen.
N4 ~300 ~1.500 Alltagstexte lesen; Gespräche in normalem Tempo im Groben folgen. Manga mit Furigana werden zugänglich.
N3 ~650 ~3.700 Die Brücke: Zeitungsüberschriften, alltägliche Nachrichten, Anime mit Untertiteln.
N2 ~1.000 ~6.000 Zeitungen und Zeitschriften; die Stufe, die Arbeitgeber in Japan üblicherweise verlangen.
N1 2.000+ 10.000+ Abstrakte und fachliche Texte; Nachrichten und Vorträge in vollem Tempo.
N5 ~100 Kanji
N4 ~300 Kanji
N3 ~650 Kanji
N2 ~1.000 Kanji
N1 2.000+ Kanji

Als Ziffern liest sich „100 gegen 2.000“ wie ein Faktor zwei. Als Balken sieht man den Faktor zwanzig — und warum zwischen N5 und N1 keine fünf gleich großen Schritte liegen, sondern eine Kurve.

Der Aufbau

Was in der Prüfung tatsächlich passiert

Der JLPT prüft drei Bereiche: Sprachwissen (Zeichen, Wortschatz, Grammatik), Leseverstehen und Hörverstehen. Ab N3 werden Sprachwissen und Lesen in einem Block geprüft, bei N4 und N5 getrennt.

Alles ist Multiple Choice. Es gibt keinen Sprechteil, keinen Aufsatz und nichts, was von Hand geschrieben wird. Das ist die gute und die schlechte Nachricht zugleich: Man muss Japanisch nicht produzieren können, um zu bestehen — und ein bestandener N2 sagt entsprechend wenig darüber, ob man ein Gespräch führen kann.

Es gibt Mindestpunktzahlen pro Bereich. Wer insgesamt genug Punkte hat, aber im Hörverstehen unter der Sektionsgrenze bleibt, fällt durch. Das ist der häufigste Grund für ein knappes Nichtbestehen bei Selbstlernenden: Lesen und Grammatik lassen sich still üben, Hören nicht.

Geprüft wird zweimal im Jahr, im Juli und im Dezember. In Deutschland wird nicht jede Stufe an jedem Termin und jedem Ort angeboten — die Anmeldung läuft Monate vorher und über die jeweilige Prüfungsstelle.

Zeitplan

Wie lange dauert eine Stufe?

Die verbreiteten Schätzungen gehen von Lernstunden aus, nicht von Monaten — wer täglich zwanzig Minuten investiert, braucht für dieselbe Stufe länger als jemand mit zwei Stunden.

350 – 450 Stunden

Ohne Vorkenntnisse, inklusive Kana. Bei 30 Minuten am Tag etwa zwei Jahre, bei 90 Minuten unter einem Jahr. Vorheriges Kanji-Wissen aus dem Chinesischen halbiert das grob.

~950 Stunden

Kumuliert ab null. N3 gilt als die härteste Schwelle: Der Wortschatz verdoppelt sich gegenüber N4, und die Texte hören auf, für Lernende geschrieben zu sein.

3.000+ Stunden

Kumuliert ab null, ohne Kanji-Vorwissen. Ab hier kommt der Fortschritt weniger aus dem Kurs als aus dem Lesen — Bücher, Nachrichten, Fachtexte.

Vorbereitung

Fünf Dinge, die den Unterschied machen

1. Einstufen statt raten. Wer schon etwas kann, verliert Wochen damit, Bekanntes zu wiederholen. Ein adaptiver Einstufungstest zu Beginn markiert beherrschte Zeichen und Wörter als gelernt und setzt sie mit langem Intervall in die Wiederholung — der Fortschritt geht nicht verloren, kostet aber keine tägliche Zeit mehr.

2. Grammatik als Punkte, nicht als Kapitel. Der JLPT prüft einzelne Konstruktionen. Eine Erklärung, die auf einen Bildschirm passt, gefolgt von drei bis fünf Beispielsätzen und Lückentexten, bereitet darauf besser vor als ein Lehrbuchkapitel — und lässt sich in einer Wiederholungsschleife festigen, was ein Kapitel nicht kann.

3. Hören von Anfang an. Das ist die Sektion, an der Selbstlernende scheitern, und die einzige, die man nicht nachholen kann. Audio auf jeder Karte kostet nichts extra und verhindert, dass Wörter nur als Schriftbild existieren.

4. Die Wiederholung über Monate durchhalten. Zwischen Anmeldung und Prüfung liegen oft sechs Monate. Eine Vokabel, die im Februar gelernt und nie wiederholt wurde, ist im Juli weg. Zeitlich gestaffelte Wiederholung ist genau die Maschine, die das verhindert. Wie FSRS das plant.

5. Kanji nach Bauteilen. Zwischen N4 und N2 verdreifacht sich die Zeichenzahl. Wer sie einzeln auswendig lernt, kommt bis N4 durch und dann nicht weiter. Die Radikale-zuerst-Methode.

Häufige Fragen

Rund um die Prüfung

Was ist der JLPT?

Der Japanese-Language Proficiency Test ist die international anerkannte Sprachprüfung für Japanisch, veranstaltet von der Japan Foundation und Japan Educational Exchanges and Services. Er hat fünf Stufen von N5 bis N1, wird zweimal im Jahr im Juli und Dezember abgenommen und prüft Sprachwissen, Leseverstehen und Hörverstehen — vollständig per Multiple Choice.

Mit welcher JLPT-Stufe sollte ich anfangen?

N5, wenn du bei null anfängst — die Stufe verlangt rund 100 Kanji und 800 Wörter. Wer schon Vorkenntnisse hat, sollte einstufen statt raten: Ein N4-Versuch ohne solide N5-Grundlage geht meist am Leseverstehen schief, weil dort das Tempo zählt und nicht das Einzelwissen.

Gibt es beim JLPT eine mündliche Prüfung?

Nein. Der JLPT prüft ausschließlich per Multiple Choice und enthält weder einen Sprechteil noch einen Schreibteil. Man muss kein Japanisch produzieren können, um zu bestehen — was zugleich heißt, dass ein bestandener JLPT wenig darüber aussagt, ob jemand ein Gespräch führen kann.

Wie lange dauert es bis JLPT N5?

Ohne Vorkenntnisse werden 350 bis 450 Lernstunden inklusive Kana veranschlagt. Bei 30 Minuten täglich sind das etwa zwei Jahre, bei 90 Minuten weniger als eines. Wer bereits Kanji aus dem Chinesischen kennt, kommt grob mit der Hälfte aus.

Kann man beim JLPT durchfallen, obwohl man genug Punkte hat?

Ja. Es gibt neben der Gesamtpunktzahl Mindestpunktzahlen für jeden Prüfungsbereich. Wer insgesamt besteht, aber im Hörverstehen unter der Sektionsgrenze bleibt, fällt durch. Das ist der häufigste Grund für knappes Nichtbestehen bei Selbstlernenden, weil sich Lesen und Grammatik still üben lassen und Hören nicht.

Welche JLPT-Stufe brauche ich zum Arbeiten in Japan?

Für die meisten Stellen mit japanischsprachigem Arbeitsumfeld wird N2 erwartet, für Positionen mit viel Kundenkontakt oder Verwaltung eher N1. N3 reicht in international geprägten Unternehmen oder in Bereichen, in denen Englisch die Arbeitssprache ist.

N5 fängt bei あ an.

Der Lernpfad führt Kana, Kanji, Wortschatz und Grammatik in der Reihenfolge, die die Prüfung verlangt — ohne dass du sie selbst zusammenstellen musst.

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